Stellungnahme zur öffentlichen Erklärung des GEP am 10.11.2023

Heimo Schwilk

Sehr geehrter Herr Direktor Bollmann,

mit Befremden nahm ich zur Kenntnis, dass in einer von Ihnen und dem „Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik“ (GEP) gezeichneten öffentlichen Erklärung Passagen meines im Band „Angst, Politik, Zivilcourage“ der Evangelischen Verlagsanstalt 2023 publizierten Aufsatzes „Angst und Auflage. Deutsche Medien im Panikmodus“ als „zutiefst antisemitisch“ und diffamierend bezeichnet werden. Ich greife im Rahmen meines Textes die moralistische Politik in diesem Land an und keine Opfergruppen. Die Angehörigen der israelischen Opfer des palästinensischen Terrors im Sommer 1972 während der Olympischen Spiele in München haben zurecht Entschädigungen für die missglückte Befreiungsaktion durch den bundesdeutschen Grenzschutz gefordert. Aber die Umstände, und nur darum geht es mir in meinem Beitrag, zeigten eine Regierung, die durch eine moralistisch überhöhte Verhandlung (auch durch den Zeitdruck; es stand nämlich die 50-jährige Gedenkfeier der Ereignisse an) die Entschädigungssumme von angebotenen 5 Millionen Euro auf zuletzt 28 Millionen Euro emportrieb. Ich habe auch angemerkt, dass nun „andere Länder“ Schlange stehen, um Entschädigungen zu verlangen. Das zeigt, wie wenig meine Ausführungen „antisemitisch“ motiviert sind. Zum genuinen Antisemitismus gehört, dass man den Juden Profitlichkeit unterstellt. Das tue ich nicht. Zu diesen Ländern, die Entschädigungen fordern, gehören bekanntlich Polen, Italien und Griechenland; in Afrika sind es bislang Namibia, Tansania und Burundi. Dabei handelt es sich allerdings um kollektive Verbrechen der Deutschen, nicht um den gescheiterten Befreiungsversuch von Geiseln der Palästinenser. Natürlich bedauere ich, wenn meine Ausführungen, die klar im Kontext des von mir erhobenen Vorwurfs, es gebe in Politik & Medien zu viele „selbsternannte Moralisten“, stehen, missverstanden werden könnten.

Ich habe mich als Publizist zu keinem Zeitpunkt „antisemitisch“ betätigt. Diesen Vorwurf, formuliert zumal im „Land der Täter“, ist völlig verfehlt und ich weise ihn hiermit als rufschädigend zurück. In dem 1997 zusammen mit Ulrich Schacht veröffentlichten Band „Für eine Berliner Republik“ haben wir im Vorwort eine Art Staatsräson gefordert (lange vor Angela Merkel), die verlangt, das jüdische Volk in seinem Existenzkampf zu unterstützen: „Die Zeit ist vielmehr reif, in diesem Zusammenhang eine wirklich radikale Schlussfolgerung zu ziehen: Deutschland muss in öffentlicher Selbstverpflichtung so weit gehen, Israel in einer erneut drohenden Opfersituation auch militärisch zur Seite zu stehen. Erst wenn Soldaten eines deutschen Rechtsstaates bereit sind, die völkerrechtlich anerkannten Grenzen Israels mit Leib und Leben zu verteidigen, darf von einer tieferen, ja sakramentalen Wiedergutmachung gesprochen werden.“ (S. 13) Das ist heute, ein Vierteljahrhundert später, aktueller denn je.

Im Übrigen, so verstanden es auch die Herausgeber, war das Buch „Angst, Politik, Zivilcourage“ als demokratisches Korrektiv geplant, um die Pannen, Übertreibungen und Verunglimpfungen der Corona-Politik in den Blick zu nehmen. Die öffentlich-rechtlichen Medien haben diesbezüglich meiner Meinung nach versagt. Bis heute dauert die Debatte an, sodass das Buch einen wichtigen Debattenbeitrag darstellt, zumal aus der Perspektive des kirchlichen Lebens. Schon deshalb war es nötig, von einer „Gegenöffentlichkeit“ zu schreiben und Namen zu nennen, anhand derer sich der unbefangene Leser zusätzlich informieren kann. Unter den von mir genannten Blogs und Zeitschriften ist übrigens, das haben die Rezensenten Merle/Propst wohl übersehen, auch ZEITZEICHEN, in dem ihr Artikel erschienen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Heimo Schwilk

www.heimo-schwilk.de